Was für ein Ritt!
Die Leistung, zwei Kontinente am Stück zu durchqueren, einfach von unten nach oben, können wahrscheinlich nur Reisemobilisten nachvollziehen, die übers Wochenende ans Nordkap fahren. Ein bisschen verrückt ist es. Aber ein Lebenstraum. Und über weite Strecken nicht gefährlicher als mit einem halbwegs vollwertigen Reisemobil durch die Stuttgarter City zu kommen. Neben den unfassbar vielen Eindrücken, die die Buchers in Amerika gesammelt haben, ist dies wohl die wichtigste Erkenntnis: Hat man gut geplant und ist sprachlich gewandt, kann man sich immer auf die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen verlassen und macht nur selten Bekanntschaft mit dem, was man unter Bananenrepublik versteht.
Gletscher, Geysire, Grenzkontrollen.
Vor allem in Südamerika spielten sich drollige Szenen ab. Pfarrer, die beim Einzug der Reisemobilkarawane die Glocken läuten. Dorfälteste, die die Weltenbummler persönlich willkommen hießen. Oder Bürgermeister, die dem „Rössle“ eine Motorrad-Eskorte zur Seite stellten wie sonst nur bei einem Staatsbesuch. Alles Situationen, die einem auf dem Weg zum Gardasee natürlich nicht geschehen. Die man aber bereit ist, als Normalität zu akzeptieren, weil sich sowieso alle Wahrnehmungsgrenzen verschoben haben. Wenn man routiniert einen liebestollen Kolibri verscheucht, der genauso gemustert ist wie die Polster im Integra, wenn man explodierende Kakteen wie alle hier für ganz natürlich hält, und wenn man bei einem im Geysir gekochten Frühstücksei über den gestrigen Vulkanausbruch im Reisemobilfenster plaudert, dann hat man die richtige geistige Ebene für eine solche Tour erreicht. Das dauert ein bisschen, aber Zeit hat man ja genug. Vor allem bei Grenzkontrollen. Schließlich können die auch mal bis zu acht Stunden dauern. Oder kafkaeske Züge annehmen: Irgendwo zwischen Peru und Ecuador teilte eine Schranke das Nichts in zwei Hälften. Daneben ein Wächter. Dahinter kein Durchkommen. Und im Rückspiegel die Erkenntnis, dass 600 Kilometer ja auch kein größerer Umweg sind, als würde man von Stuttgart über Dresden nach Köln fahren. In Südamerika relativiert sich eben so einiges. Wenn man ausnahmsweise nicht im Busbahnhof von Quito oder im städtischen Stadion von Lima
unterkommen kann, sondern nur in einer mäßig steinschlagsicheren Ausweichbucht in 2.700 Metern Höhe, bleibt einem ja die Vertrautheit des eigenen Reisemobils, um sich nicht verloren zu fühlen. Oder, wie es Ursel Bucher auf einem endzeitfinsteren Lkw-Parkplatz im drückend schwülen Grenzland von El Salvador beschrieb: „In solchen Momenten sind wir froh, die Tür hinter unserem treuen Rössle zumachen zu können!“ Und noch ein Zitat hat uns als Hersteller besonders bewegt: „Wir sind umgeben von
Staub, über uns leuchten die Sechstausender schneebedeckt und wir können im Rössle warm duschen!“
Dank für den Dauertest.
Das ist Reisemobilistentum in Reinkultur. Und andererseits derart extrem, dass das halbe Sprendlinger Werk mitfieberte, ob der Integra durchhalten würde. Schließlich war das rein technisch ein Dauertest, den selbst eine wirr programmierte Klimakammer nicht simulieren kann. Die Buchers haben ihr „Rössle“ durch die Atacama gescheucht, es nach Luft schnappend bis auf 4600 Meter Höhe getrieben und nach all dem auch noch bei 50° C durch das legendäre Death Valley gejagt, bis sie schließlich am 20.8.2007 in Fairbanks, Alaska, ankamen. Auf dem Weg dahin haben sie zwar so einige Reifen verschlissen, und als Stromwandler dient jetzt ein 20 Kilo schwerer Brocken, hergestellt von einem Pumpenbauer aus San José. Am Heck klafft ein Schmiss im GFK, ihm zugefügt durch einen der wenigen unangenehmen Zeitgenossen auf der Reise. Und die Windschutzscheibe hat ein paar Steinschläge als Souvenir vom Alaska-Highway. Das ist alles. Wohlgemerkt, nachdem man schon in Kanada den 55.555. Kilometer gefeiert hat. Das spricht einerseits für gewissenhafte Pflege. Aber, Sie werden es zugeben, auch für eine gewisse Qualität. Und die macht uns hier in Sprendlingen schon ein bisschen stolz. Deshalb bedanken wir uns herzlich, dass wir und die Leser des Eura Mobil Journals an dieser Reise teilhaben durften, als gehörten wir zur Familie. Und versprechen,
beim neuen Integra keinen geringeren Maßstab anzulegen als das „Rössle“. Außer bei der Beschriftung über der Windschutzscheibe und am Heck – da werden wir beim Integra III das Stuttgarter Stadtwappen doch durch unser eigenes Logo ersetzen.
Zitat:
„Unser Rössle verdient ein extra Lob, dass es uns über Stock und Stein getragen und beherbergt und uns nie im Stich gelassen hat.“